Die Chondromalazie, oft als Chondromalacia patellae bezeichnet, beschreibt eine Erweichung oder Schädigung des Gelenkknorpels, meist an der Rückseite der Kniescheibe. Das Krankheitsbild zählt zu den häufigsten Ursachen für Knieschmerzen – insbesondere bei sportlich aktiven Menschen, aber auch bei Menschen mit Fehlstellungen oder muskulären Ungleichgewichten.
In diesem Artikel erfährst du, wie sich Chondromalazie bemerkbar macht, welche Ursachen typisch sind, wie die Erkrankung diagnostiziert wird und welche Therapieformen – vor allem die Physiotherapie – besonders wirksam sind.
Wie entsteht eine Chondromalazie?
Bei der Chondromalazie kommt es zu einer Erweichung, Aufrauhung oder degenerativen Veränderung des hyalinen Gelenkknorpels. Besonders oft betroffen: das patellofemorale Gelenk (Kniescheibe und Oberschenkelknochen).
Da Knorpelgewebe nur begrenzte Regenerationsfähigkeit besitzt, ist ein frühzeitiges Erkennen und Behandeln entscheidend.
Typische Symptome der Chondromalazie
Die Erkrankung äußert sich in klar erkennbaren Beschwerden. Zu den häufigsten Symptomen zählen:
1. Schmerzen hinter oder rund um die Kniescheibe
Besonders bei:
- längerem Sitzen („Kinozeichen“)
- Treppensteigen (v.a. bergab)
- Kniebeugen oder Hinhocken
- längeren Belastungen beim Laufen oder Wandern
2. Knirschen oder Reiben im Knie
Betroffene berichten häufig über ein knirschendes oder mahlendes Geräusch (Krepitation), das beim Bewegen der Kniescheibe entsteht.
3. Schwellungen oder Spannungsgefühl
Oft tritt eine leichte Reizung des Schleimbeutels oder der Gelenkkapsel auf.
4. Instabilität oder Nachgeben des Knies
Die Muskulatur reagiert häufig mit Schonhaltung und Abschwächung, was die Stabilität beeinträchtigt.
Ursachen der Chondromalazie
Die Auslöser sind vielfältig und betreffen biomechanische, strukturelle und belastungsbedingte Faktoren:
1. Fehlstellungen der Kniescheibe
Eine patellare Dysfunktion oder Seitabweichung führt zu ungleichmäßiger Druckverteilung im Gelenk.
2. Muskelungleichgewichte
Besonders relevant:
- schwacher M. vastus medialis (VMO)
- verkürzte Beinrückseite oder Hüftbeuger
- instabile Hüftmuskulatur
Diese Faktoren verändern die Zugrichtung der Sehne und belasten den Knorpel.
3. Überlastung durch Sport
Sportarten mit hoher Kniebelastung (Laufen, Sprünge, Fußball, Radfahren) können Mikrotraumen verursachen.
4. Traumatische Ereignisse
Stürze oder direkte Schläge auf die Kniescheibe können Knorpelschäden auslösen.
5. Arthrotische Veränderungen
Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für degenerative Knorpelschäden.
Diagnose – wie wird Chondromalazie festgestellt?
Die Diagnostik kombiniert klinische Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren:
Klinische Tests
Der Arzt prüft:
- Beweglichkeit des Knies
- Druckschmerz an der Kniescheibe
- Gleitfähigkeit der Patella
- Stellung der Beinachsen
Bildgebung
- Röntgen: zur Darstellung von Fehlstellungen und knöchernen Strukturen
- MRT: Goldstandard zur Beurteilung des Knorpels
- Ultraschall: zur Analyse von Weichteilstrukturen
In manchen Fällen kann eine Arthroskopie nötig sein, insbesondere zur genauen Graduierung des Knorpelschadens.
Therapie – wie wird Chondromalazie behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach Schweregrad und Ursache. In den meisten Fällen wird konservativ behandelt, bevor operative Maßnahmen erwogen werden.
1. Schonung und Belastungsanpassung
Zu Beginn wichtig, um Reizungen zu reduzieren:
- Vermeidung schmerzauslösender Bewegungen
- Reduktion von Sportintensität
- Anpassung des Trainings (z. B. weniger Kniebeugen)
2. Physiotherapie – der wichtigste Baustein
Die Physiotherapie ist die effektivste und meist langfristig erfolgreichste Behandlungsmethode.
Positive Wirkungen der Physiotherapie
- Kräftigung des vorderen Oberschenkels, besonders des M. vastus medialis
- Stabilisierung der Hüft- und Rumpfmuskulatur
- Verbesserung der Gelenkführung der Patella
- Entlastung des gereizten Knorpels
- Verbesserung der Beinachsenkontrolle
- Förderung der Knorpelernährung durch gezielte Bewegungsreize
- Schmerzlinderung durch manuelle Techniken und Mobilisation
Typische physiotherapeutische Maßnahmen
- Kräftigungsübungen: z. B. gerades Beinheben, isometrische Quadrizepsübungen, Mini-Kniebeugen
- Hüftstabilisationstraining: Gluteus medius–Kräftigung
- Dehnübungen: für Quadrizeps, Oberschenkelrückseite, Hüftbeuger
- Manuelle Therapie: Patellamobilisation, myofasziale Techniken
- Koordinations- und propriozeptives Training
- Tape-Anlagen zur Entlastung oder Führung der Kniescheibe
Gezielte Physiotherapie kann in vielen Fällen eine Operation vermeiden.
3. Orthopädische Hilfsmittel
- Kniescheibenbandagen
- Einlagen zur Korrektur von X-/O-Bein-Achsen
- Patella-Tracking-Orthesen
4. Medikamente
Zur symptomatischen Linderung:
- entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAIDs)
- ggf. Knorpelnährstoffe (z. B. Glucosamin oder Chondroitinsulfat – Wirksamkeit individuell unterschiedlich)
5. Invasive Optionen
Wenn konservative Therapie über längere Zeit nicht ausreicht:
- Hyaluronsäure-Injektionen
- PRP (autologes Plasma)
- Arthroskopische Glättung des Knorpels
- Korrekturosteotomien bei Achsfehlstellungen
Prognose – wie sind die Heilungschancen?
Bei frühzeitiger Diagnose und konsequenter physiotherapeutischer Behandlung sind die Erfolgsaussichten sehr gut. Viele Patienten werden vollständig beschwerdefrei. Bei fortgeschrittenen Verläufen lässt sich die Erkrankung oft noch deutlich verlangsamen und symptomarm halten.
Fazit
Die Chondromalazie ist ein häufig auftretendes Krankheitsbild, das durch Frühdiagnose, funktionelles Training und Physiotherapie sehr gut behandelt werden kann.
Eine konsequente Stärkung der Bein- und Hüftmuskulatur, kombiniert mit einer Optimierung der Bewegungsabläufe, sorgt in den meisten Fällen für deutliche und langfristige Verbesserungen.
Bei uns im Kraftort Therapiezentrum erstellen unsere qualifizierten Physiotherapeuten einen individuellen Behandlungsplan für Ihre Beschwerden.
Ihr Kraftort Team
