Meta-Titel: Guillain-Barré-Syndrom: Symptome, Therapie und Physiotherapie | KG-ZNS
Meta-Beschreibung: Das Guillain-Barré-Syndrom kann innerhalb kurzer Zeit zu Lähmungen und Muskelschwäche führen. Erfahren Sie mehr über Ursachen, Symptome, Diagnostik, Therapie und die Bedeutung von Physiotherapie und KG-ZNS.
Guillain-Barré-Syndrom: Wenn plötzlich die Kraft nachlässt – wie KG-ZNS Mobilität und Selbstständigkeit zurückbringen kann
Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine seltene, akut verlaufende Erkrankung des peripheren Nervensystems. Typischerweise entwickelt sich innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen eine zunehmende Muskelschwäche, häufig beginnend an den Beinen und anschließend auch die Arme betreffend. Zusätzlich können Sensibilitätsstörungen, Schmerzen, Reflexausfälle, Schluckstörungen oder sogar eine Beeinträchtigung der Atemmuskulatur auftreten.
Das Guillain-Barré-Syndrom ist deshalb ein medizinischer Notfall, der insbesondere in der akuten Phase eine engmaschige neurologische und gegebenenfalls intensivmedizinische Überwachung erfordert.
Die gute Nachricht: Viele Betroffene erholen sich zumindest teilweise wieder. Die Rehabilitation kann sich allerdings über Monate erstrecken. Gerade dann kommt der Physiotherapie und Krankengymnastik auf neurophysiologischer Grundlage (KG-ZNS) eine wichtige Bedeutung zu. Die aktuelle Leitlinie der European Academy of Neurology und der Peripheral Nerve Society empfiehlt, physiotherapeutische und rehabilitative Maßnahmen bereits während des Krankenhausaufenthalts zu beginnen und bei anhaltenden Einschränkungen über die Akutphase hinaus fortzuführen.
Was ist das Guillain-Barré-Syndrom?
Das Guillain-Barré-Syndrom ist eine akut entzündliche Erkrankung der peripheren Nerven und Nervenwurzeln. Es handelt sich meist um eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems.
Die Nerven sind dafür verantwortlich, Informationen zwischen Gehirn, Rückenmark und Muskulatur beziehungsweise Haut weiterzuleiten. Werden die peripheren Nerven entzündlich geschädigt, funktioniert die Signalübertragung nicht mehr ausreichend.
Die Folge können sein:
- Muskelschwäche
- Lähmungen
- Gefühlsstörungen
- Kribbeln
- Taubheitsgefühle
- Schmerzen
- fehlende Reflexe
- Koordinationsprobleme
- Gangstörungen
In schweren Fällen kann auch die Atemmuskulatur betroffen sein.
Das GBS gehört damit zu den wichtigsten Erkrankungen, bei denen eine neurologische Physiotherapie und KG-ZNS im Rahmen der Rehabilitation erforderlich werden können.
Guillain-Barré-Syndrom: Ursachen
Die genaue Ursache des Guillain-Barré-Syndroms ist noch nicht vollständig geklärt.
Häufig tritt die Erkrankung nach einer vorausgegangenen Infektion auf. Besonders häufig werden Atemwegs- oder Magen-Darm-Infektionen berichtet.
Als mögliche Auslöser kommen unter anderem infrage:
- bakterielle Infektionen
- virale Infektionen
- Magen-Darm-Infektionen
- Atemwegsinfektionen
- Campylobacter-Infektionen
- Influenza
- COVID-19 und andere Virusinfektionen
- selten operative Eingriffe oder andere immunologische Belastungen
Besonders gut untersucht ist der Zusammenhang mit Campylobacter jejuni. Nach einer solchen Infektion kann das Immunsystem Antikörper bilden, die Strukturen der Nerven angreifen.
Dieser Mechanismus wird als molekulare Mimikry bezeichnet.
Wichtig ist: Eine Infektion bedeutet nicht automatisch, dass anschließend ein Guillain-Barré-Syndrom entsteht. Die Erkrankung bleibt insgesamt selten.
Was passiert bei einem Guillain-Barré-Syndrom im Körper?
Beim GBS richtet sich die Immunreaktion gegen Bestandteile peripherer Nerven.
Dabei können insbesondere die Myelinscheiden oder die Axone der Nerven geschädigt werden.
Je nachdem, welche Strukturen betroffen sind, unterscheidet man verschiedene Formen und Varianten des Guillain-Barré-Syndroms.
Zu den bekannten Formen gehören:
- AIDP – akut inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie
- AMAN – acute motor axonal neuropathy
- AMSAN – acute motor and sensory axonal neuropathy
- Miller-Fisher-Syndrom
Die klinische Ausprägung kann erheblich variieren. Die aktuelle europäische Leitlinie beschreibt GBS ausdrücklich als Erkrankung mit sehr unterschiedlichem Erscheinungsbild und Schweregrad.
Guillain-Barré-Syndrom Symptome
Die ersten Symptome können relativ unspezifisch sein.
Typisch ist jedoch eine zunehmende Muskelschwäche, die häufig an den Beinen beginnt.
Mögliche Symptome sind:
- Kribbeln in Händen und Füßen
- Taubheitsgefühle
- Muskelschwäche
- schwere Beine
- Schwierigkeiten beim Treppensteigen
- Probleme beim Aufstehen
- unsicheres Gehen
- Gangstörungen
- Lähmungen
- fehlende Muskeleigenreflexe
- Rückenschmerzen
- Nervenschmerzen
- Schluckstörungen
- Gesichtslähmung
- Doppelbilder
- Sprechstörungen
- Atemschwäche
Bei einem schweren Guillain-Barré-Syndrom kann eine künstliche Beatmung notwendig werden.
Wie schnell entwickelt sich das Guillain-Barré-Syndrom?
Ein wichtiges Merkmal des GBS ist der relativ schnelle Verlauf.
Die Beschwerden entwickeln sich typischerweise innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen. Die maximale Schwäche wird häufig innerhalb von vier Wochen erreicht.
Eine zunehmende Lähmung oder Muskelschwäche sollte deshalb sofort neurologisch abgeklärt werden.
Wenn sich die Beschwerden über einen längeren Zeitraum weiter verschlechtern, muss außerdem geprüft werden, ob möglicherweise eine andere Erkrankung wie eine CIDP oder eine akut beginnende chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie vorliegt. Die aktuelle Leitlinie empfiehlt eine solche diagnostische Neubewertung insbesondere bei einer weiteren Progression nach acht Wochen.
Diagnostik des Guillain-Barré-Syndroms
Die Diagnose basiert auf dem Zusammenspiel von:
- Krankheitsverlauf
- neurologischer Untersuchung
- Reflexstatus
- Muskelkraft
- Sensibilität
- Liquordiagnostik
- Elektrophysiologie
- gegebenenfalls Antikörperdiagnostik
- bildgebenden Untersuchungen
Liquorpunktion
Bei einer Lumbalpunktion wird Nervenwasser untersucht.
Typisch kann beim GBS eine sogenannte zytoalbuminäre Dissoziation auftreten: Der Eiweißgehalt im Liquor ist erhöht, während die Zahl der Zellen nicht oder nur geringfügig erhöht ist.
Allerdings kann dieser Befund zu Beginn der Erkrankung noch fehlen.
Elektroneurografie und Elektromyografie
Die elektrophysiologische Untersuchung ist ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik.
Mit ENG und EMG kann untersucht werden, wie gut Nerven elektrische Signale weiterleiten und ob eher eine Schädigung der Myelinscheiden oder der Axone vorliegt.
Die aktuelle Leitlinie empfiehlt elektrophysiologische Untersuchungen zur Unterstützung der Diagnose.
Behandlung des Guillain-Barré-Syndroms
Die Behandlung besteht aus mehreren Bausteinen.
Immuntherapie
Die wichtigsten krankheitsmodifizierenden Therapien sind:
Intravenöse Immunglobuline
Bei geeigneten Patienten werden intravenöse Immunglobuline (IVIg) verabreicht.
Sie beeinflussen die fehlgeleitete Immunreaktion.
Plasmapherese
Alternativ kann ein Plasmaaustausch (Plasmapherese) durchgeführt werden.
Dabei werden Bestandteile des Blutplasmas entfernt, die an der Autoimmunreaktion beteiligt sein können.
IVIg und Plasmaaustausch gelten als etablierte Immuntherapien beim behandlungsbedürftigen GBS. Die aktuelle EAN/PNS-Leitlinie empfiehlt IVIg beziehungsweise Plasmaaustausch bei nicht gehfähigen Patienten innerhalb der entsprechenden Zeitfenster nach Beginn der Schwäche.
Weitere medizinische Behandlung
Da das GBS verschiedene Körperfunktionen beeinträchtigen kann, ist eine umfassende Überwachung erforderlich.
Behandelt werden unter anderem:
- Ateminsuffizienz
- Kreislaufprobleme
- Herzrhythmusstörungen
- Schmerzen
- Schluckstörungen
- Blasen- und Darmprobleme
- Thromboserisiko
- Druckstellen
- Gelenkversteifungen
Bei schwerem Verlauf kann eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig werden.
Aktueller Stand der Forschung
Die Forschung beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, warum das Immunsystem bei bestimmten Menschen körpereigene Nervenstrukturen angreift.
Untersucht werden:
- Autoantikörper
- Ganglioside
- Komplementsystem
- molekulare Mimikry
- nodale und paranodale Strukturen
- Biomarker zur Prognose
- neue Immuntherapien
Ein Beispiel sind Therapien, die gezielt in das Komplementsystem eingreifen. Der monoklonale Antikörper Eculizumab konnte in bisherigen kleinen Studien jedoch keinen ausreichenden Nutzen nachweisen und wird von der aktuellen Leitlinie derzeit nicht als Standardtherapie empfohlen.
Ein weiterer Forschungsbereich ist die Frage, warum manche Patienten sich nahezu vollständig erholen, während andere langfristig unter Muskelschwäche, Fatigue, Schmerzen oder Gangstörungen leiden.
Die Rehabilitation nach Guillain-Barré
Die Rehabilitation beginnt nicht erst nach der Entlassung aus dem Krankenhaus.
Die aktuelle EAN/PNS-Leitlinie spricht sich dafür aus, Physiotherapie und andere rehabilitative Maßnahmen bereits in der Akutphase einzusetzen. Bei anhaltenden Einschränkungen kann die Therapie über sechs Monate hinaus sinnvoll sein, weil funktionelle Verbesserungen noch über einen längeren Zeitraum möglich sind.
Dabei verändert sich der Schwerpunkt der Therapie im Verlauf.
Wann ist Physiotherapie bei Guillain-Barré erforderlich?
Nicht jeder Patient benötigt nach einem milden Verlauf langfristige Physiotherapie.
Eine intensive physiotherapeutische und neurologische Rehabilitation ist insbesondere sinnvoll bei:
- ausgeprägter Muskelschwäche
- Lähmungen
- eingeschränkter Gehfähigkeit
- Gleichgewichtsstörungen
- Koordinationsproblemen
- Problemen beim Aufstehen
- eingeschränkter Rumpfstabilität
- Verlust der Selbstständigkeit
- Kontrakturgefahr
- nach längerer Intensivbehandlung
- nach künstlicher Beatmung
- ausgeprägter Fatigue
- anhaltenden Sensibilitätsstörungen
Bei schweren Verläufen kann Physiotherapie bereits während des Krankenhausaufenthalts notwendig sein.
KG-ZNS beim Guillain-Barré-Syndrom
Die Krankengymnastik auf neurophysiologischer Grundlage (KG-ZNS) kann eine wichtige Säule der neurologischen Rehabilitation darstellen.
Dabei geht es nicht darum, einen schwer geschwächten Muskel möglichst schnell maximal zu belasten.
Vielmehr wird die Belastung sorgfältig dosiert und an den aktuellen Zustand angepasst.
Mögliche Therapieziele sind:
- Beweglichkeit erhalten
- Muskelkraft schrittweise zurückgewinnen
- Körperwahrnehmung verbessern
- Gleichgewicht trainieren
- Koordination verbessern
- Transfers ermöglichen
- Stehen wieder erlernen
- Gangfähigkeit verbessern
- Selbstständigkeit fördern
Mobilisation nach Guillain-Barré
Nach einem schweren Verlauf kann zunächst kaum selbstständige Bewegung möglich sein.
Die Mobilisation erfolgt deshalb stufenweise.
Erste Phase
- Lagerungswechsel
- passive beziehungsweise assistierte Bewegungen
- Positionierung
- Gelenkbeweglichkeit erhalten
- Atemtherapie nach Bedarf
Nächste Phase
- Aufsetzen
- Sitzen
- Rumpfkontrolle
- Transfertraining
- Stehtraining
Weitere Rehabilitation
- Gewichtsverlagerung
- Schrittübungen
- Gangschule
- Gleichgewichtstraining
- funktionelles Krafttraining
- Alltagstraining
Der Übergang von einer Stufe zur nächsten erfolgt abhängig von Kraft, Ausdauer, neurologischem Zustand und Belastbarkeit.
Muskelkraft nach Guillain-Barré wieder aufbauen
Die Muskelschwäche kann nach einem GBS sehr ausgeprägt sein.
Ein häufiger Fehler wäre jedoch, die Muskulatur sofort mit einem intensiven Krafttraining zu überfordern.
Stattdessen wird die Belastung individuell dosiert.
Zum Einsatz kommen beispielsweise:
- aktive Bewegungsübungen
- assistive Übungen
- funktionelle Kräftigung
- progressive Belastungssteigerung
- Training gegen dosierten Widerstand
- Übungen mit dem eigenen Körpergewicht
Die optimale Intensität der Rehabilitation ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Die aktuelle Leitlinie sieht derzeit keine ausreichende Evidenz, um in der chronischen Phase generell ein hochintensives gegenüber einem niedrigintensiven Rehabilitationsprogramm zu bevorzugen.
Fatigue nach Guillain-Barré
Ein besonders wichtiges Thema ist die Fatigue.
Viele Patienten fühlen sich auch dann noch ungewöhnlich erschöpft, wenn sich die Muskelkraft bereits deutlich verbessert hat.
Die Leitlinie nennt Fatigue als häufige residuale Beschwerde während der Erholungsphase. In den ausgewerteten Studien wird eine Häufigkeit von etwa 38 bis 86 Prozent beschrieben.
Deshalb muss physiotherapeutisches Training individuell gesteuert werden.
Das bedeutet:
Belastung → Erholung → Anpassung → erneute Belastung.
Nicht jeder Trainingstag muss gleich intensiv sein.
Warum Überlastung vermieden werden sollte
Bei der Rehabilitation nach GBS ist die richtige Belastungssteuerung besonders wichtig.
Ziel ist nicht:
„Je mehr Training, desto schneller die Genesung.“
Stattdessen muss beobachtet werden:
- Wie reagiert die Muskulatur?
- Wie lange hält die Belastbarkeit an?
- Wie stark ist die Ermüdung?
- Verschlechtert sich die Bewegungsqualität?
- Wie lange dauert die Regeneration?
Das Training sollte deshalb funktionell, individuell und progressiv gestaltet werden.
Gleichgewicht und Koordination trainieren
Nach einem Guillain-Barré-Syndrom kann die Muskulatur wieder stärker werden, während das Gleichgewicht trotzdem unsicher bleibt.
Das liegt unter anderem an:
- Sensibilitätsstörungen
- Muskelschwäche
- fehlender Tiefensensibilität
- Koordinationsproblemen
- reduzierter Reaktionsfähigkeit
Die Physiotherapie kann deshalb gezielt trainieren:
- Standstabilität
- Gewichtsverlagerung
- Einbeinstand
- Schrittstrategien
- Richtungswechsel
- Reaktionen auf äußere Reize
- Gehen auf unterschiedlichen Untergründen
Gangtraining nach Guillain-Barré
Ein wichtiger Bestandteil der neurologischen Rehabilitation kann die Gangschule sein.
Dabei wird das Gehen Schritt für Schritt aufgebaut.
Trainiert werden beispielsweise:
- Aufstehen
- sichere Gewichtsübernahme
- Standbeinphase
- Fußhebung
- Schrittweite
- Gleichgewicht
- Richtungswechsel
- Treppensteigen
Bei Bedarf kommen Hilfsmittel zum Einsatz:
- Unterarmgehstützen
- Rollator
- Gehtrainer
- Orthesen
Das Ziel ist nicht zwangsläufig, möglichst schnell ohne Hilfsmittel zu gehen. Entscheidend ist ein sicheres und funktionelles Gehen.
Atemtherapie und Guillain-Barré
Bei schweren Verläufen kann die Atemmuskulatur betroffen sein.
Dann kann eine intensivmedizinische Beatmung erforderlich werden.
Nach einer längeren Beatmung oder ausgeprägten Schwäche kann zusätzlich eine gezielte Atemtherapie erforderlich sein.
Je nach Situation gehören dazu:
- Atemwahrnehmung
- Atemlenkung
- Sekretmanagement
- Atemmuskeltraining
- Mobilisation des Brustkorbs
- Aufbau der körperlichen Belastbarkeit
Die Atemtherapie sollte eng mit der medizinischen Behandlung abgestimmt werden.
Schmerzen beim Guillain-Barré-Syndrom
Schmerzen können bereits früh im Krankheitsverlauf auftreten und auch während der Rehabilitation bestehen bleiben.
Mögliche Ursachen sind:
- Nervenschmerzen
- Muskelschmerzen
- Gelenkbeschwerden
- Fehlbelastungen
- längere Immobilität
Die aktuelle Leitlinie empfiehlt, Schmerzen gezielt zu erfassen und zwischen neuropathischen und muskulär beziehungsweise nozizeptiv bedingten Schmerzen zu unterscheiden.
Physiotherapie kann insbesondere bei bewegungsabhängigen Beschwerden, Bewegungseinschränkungen und muskulären Folgeproblemen unterstützen. Die medikamentöse Schmerztherapie gehört dagegen in ärztliche Hände.
Alltagstraining und Selbstständigkeit
Eine erfolgreiche neurologische Rehabilitation bedeutet mehr als eine Verbesserung einzelner Muskelwerte.
Entscheidend ist, ob der Patient wieder selbstständig am Alltag teilnehmen kann.
Deshalb werden beispielsweise trainiert:
- Aufstehen
- Hinsetzen
- Bett → Stuhl
- Toilette → Rollstuhl
- Treppensteigen
- Gehen
- Anziehen
- Transfers
- Haushaltsaktivitäten
Das alltagsorientierte Training hilft dabei, neu gewonnene Bewegungsfähigkeiten unmittelbar in konkrete Alltagssituationen zu übertragen.
Hilfsmittel nach Guillain-Barré
Je nach Schweregrad können vorübergehend oder dauerhaft Hilfsmittel notwendig sein.
Dazu gehören:
- Rollstuhl
- Rollator
- Unterarmgehstützen
- Gehtrainer
- Orthesen
- Haltegriffe
- Transferhilfen
Ein Hilfsmittel ist dabei kein Zeichen eines fehlenden Rehabilitationserfolgs.
Im Gegenteil: Ein passendes Hilfsmittel kann Sicherheit schaffen und überhaupt erst ermöglichen, wieder aktiv am Alltag teilzunehmen.
Wie lange dauert die Rehabilitation?
Der Verlauf des Guillain-Barré-Syndroms ist individuell sehr unterschiedlich.
Manche Patienten erholen sich innerhalb weniger Monate weitgehend. Andere benötigen deutlich länger und behalten möglicherweise Restbeschwerden.
Die Genesung kann sich über viele Monate erstrecken.
Mögliche langfristige Beschwerden sind:
- Restlähmungen
- Muskelschwäche
- Gangunsicherheit
- Sensibilitätsstörungen
- Nervenschmerzen
- Fatigue
- reduzierte körperliche Belastbarkeit
Deshalb sollte eine Therapie nicht zu früh beendet werden. Die aktuelle Leitlinie weist ausdrücklich darauf hin, dass funktionelle Verbesserungen noch viele Monate nach der akuten Erkrankung möglich sein können.
Kann man nach Guillain-Barré wieder vollständig gesund werden?
Eine pauschale Prognose ist nicht möglich.
Der Verlauf hängt unter anderem ab von:
- Schwere der Erkrankung
- Geschwindigkeit des Krankheitsverlaufs
- Ausmaß der Lähmungen
- Beteiligung der Atemmuskulatur
- Alter
- Art der GBS-Variante
- Geschwindigkeit des Beginns der Therapie
- individuellen Begleiterkrankungen
Die Prognose ist daher immer individuell.
Ein wichtiger Bestandteil der modernen Neurologie ist deshalb die frühzeitige Einschätzung des individuellen Risikos und Verlaufs, beispielsweise mit etablierten prognostischen Scores wie dem modified Erasmus GBS Outcome Score (mEGOS).
Fazit: Physiotherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Rehabilitation
Das Guillain-Barré-Syndrom kann innerhalb kurzer Zeit zu erheblichen neurologischen Einschränkungen führen. Eine schnelle medizinische Behandlung mit Immuntherapie und engmaschiger Überwachung ist entscheidend.
Doch auch nach der Akutbehandlung ist der Weg zurück in den Alltag häufig lang.
Hier kommt die Physiotherapie beziehungsweise KG-ZNS ins Spiel.
Sie unterstützt Betroffene dabei,
- Beweglichkeit zurückzugewinnen,
- Muskelkraft wieder aufzubauen,
- Gleichgewicht und Koordination zu verbessern,
- das Gehen neu zu erlernen,
- Transfers sicher durchzuführen,
- die körperliche Belastbarkeit zu steigern,
- Fatigue zu berücksichtigen,
- Hilfsmittel sinnvoll einzusetzen
- und größtmögliche Selbstständigkeit zu erreichen.
Besonders wichtig ist eine individuelle Belastungssteuerung. Die Rehabilitation nach einem Guillain-Barré-Syndrom ist kein Wettlauf. Entscheidend ist ein kontrollierter, funktioneller und an den jeweiligen Leistungsstand angepasster Aufbau.
Die aktuelle Leitlinie unterstützt den Einsatz von Physiotherapie und Rehabilitation bereits in der Akutphase und auch über längere Zeit, wenn Einschränkungen bestehen bleiben. Bei uns im Kraftort Therapiezentrum erstellen unsere qualifizierten Physiotherapeuten einen individuellen Behandlungsplan für Ihre Beschwerden.
Ihr Kraftort Team
